Offene Zinkung

Allgemeines:
Das Zinken ist eine mehrfache Verzahnung keilförmiger oder gerader Zapfen, die man Zinken bzw. Schwalbenschwänze nennt. Man wählt diese Verbindung zum Zusammenbau von Vollholzflächen, da die so verbundenen Teile ungehindert schwinden und quellen, sich aber nicht werfen können. Weil diese Verbindung gleichzeitig auch schmückend wirkt, muss man die Einteilung der Zinkung sorgfältig vornehmen.

Oberfräse OF 2200

Bei der offenen Zinkung, auch einfache Zinkung genannt, sind die Zinken und Schwalbenschwänze sichtbar. Die offene Zinkung kann auch als Zierzinkung ausgebildet werden. Hierbei werden die Zinken und Schwalbenschwänze etwas länger angeschnitten und die Hirnholzteile besonders bearbeitet.

Arbeitsplan

  • Holz zuschneiden, aushobeln, ablängen und bestoßen
  • Zeichnen der Hölzer
  • Anreißen der Holzstärke: Zinkenstück auf Flächen,
    Schwalbenstück rundherum
  • Hilfslinie 1 - halbe Holzstärke auf dem Hirnholz des Zinkenstücks
  • Hilfslinie 2 - zweieinhalbfache Holzstärke auf Fläche des Schwalbenstücks
  • Einteilen der Zinken auf dem Hirnholz des Zinkenstücks (Zinkenformel)
  • überwinkeln (beim Zinkenstück)
  • Einschneiden der Zinken
  • Freistemmen der Zinken (auf der Innenseite beginnen)
  • Anreißen der Schwalben mit Hilfe des Zinkenstücks
  • Schwalbenrisse auf Hirnholz überwinkeln
  • Einschneiden der Schwalben
  • Freistemmen der Schwalben
  • Absetzen der Randzinken
  • Verbindung einpassen
  • Innenflächen putzen
  • Verleimen
  • Putzen und Kanten brechen
Bei der Zinkenverbindung werden durch eine keilförmige Verzahnung beide Teile zusammengehalten. Ein "Werfen" der Fläche wird somit verhindert. Aus diesem Grund ist unbedingt darauf zu achten, dass die rechte Seite (kernzugewandte Seite) des Brettes nach außen genommen wird. An welche Werkstücketeile die Zinken oder Schwalbenschwänze anzuschneiden sind, hängt von der späteren Beanspruchung des Möbelteils und der Möglichkeit des Zusammenbaus ab. Von großer Bedeutung für die Haltbarkeit der Verbindung ist die Schräge der Zinken. Bei zu schrägen Zinken besteht die Gefahr, dass das Seitenholz der Schwalbe keilförmig abschert. Das Verhältnis 1:6 ergibt eine geeignete Schräge.
Mit der im Arbeitsplan verwendeten Zinkenformel ermittelt man diese Schräge mit einer auf Holzbreite und Holzstärke bezogenen Schwalbenanzahl.

 

Zeichnung

 

1 = Zinkenstück
2 = Schwalbenstück

 

Erklärungen zu den Arbeitsschritten

  • Hölzer zuschneiden, aushobeln, und ablängen

  • Grundsätzlich ist bei der Verbindung von Vollholzflächen auf gleichen Faserverlauf und somit auf gleiche Schwundrichtung zu achten.

  • Die besten Voraussetzungen für jede Vollholzverbindung hat das Holz mit stehenden Jahresringen. Bei Seitenbrettern muss die rechte Seite (kernzugewandte Seite) des Holzes nach außen genommen werden, da sonst beim Schwinden und Verformen die Brüstungen undicht werden könnten.

  • Auf den schmalen Kantenflächen werden die Hölzer mit dem Schreinerdreieck gezeichnet. Es wird außerdem festgelegt, wo die Zinken bzw. Schwalben angeordnet werden. Bei einem Schubkasten würde das Griffstück und das Hinterstück die Zinken, die Seitenteile die Schwalben erhalten. So würde die Verbindung theoretisch auch ohne Verleimung beim Herausziehen des Schubkastens halten. 

  • Anreißen der Holzstärke: Zinkenstück auf Flächen,
    Schwalbenstück rundherum
    Bei verschiedenen Holzstärken müssen diese auch entsprechend am Gegenstück angerissen werden. Das Kopfholz muss bestoßen bzw. sauber und rechtwinklig abgesägt sein.

  • Um die Zinkeneinteilung anreißen zu können, müssen Hilfslinien auf die Hölzer gezeichnet werden:
  • Hilfslinie 1 - halbe Holzstärke auf dem Hirnholz des Zinkenstücks (Mittelriss)
  • Hilfslinie 2 - zweieinhalbfache Holzstärke auf Fläche des Schwalbenstücks
  • Um die Einteilung der Zinken vorzunehmen, spannt man das Zinkenstück aufrecht in die Hinterzange der Hobelbank und legt das Schwalbenstück an die Innenseite des Zinkenstücks (bzw. die Innenseite des späteren Kastens). Dabei sollten beide Hilfslinien sichtbar sein und die Kopfholzfläche mit der Schwalbenstückfläche auf einer Höhe liegen.
    • Einteilen der Zinken auf dem Hirnholz des Zinkenstücks (Zinkenformel)
    • Hilfslinie (Mittelriss) muss auf dem Kopfholz des Zinkenstück vorhanden sein.
    • Hilfslinie mit zweifacher Holzstärke muss auf Fläche des Schwalbenstücks vorhanden sein.
    • Errechnen der Schwalbenzahl bzw. der Teilung mit der
      Zinkenformel für die Offene Zinkung:

      Holzbreite           =  Anzahl der Schwalben
      3/2 Holzstärke        runden auf ganze Zahl (erst ab ...,7 wird aufgerundet)

      Anzahl der Schwalben x 3 + 1 = Anzahl der Einheiten (Teilungslinie)
    • Teilungslinie (z.B. mit 1 cm Einheiten -  in unserem Beispiel mit 13 Einheiten, also 13 cm) anzeichnen. Dabei kann die Position der Teilungslinie willkürlich auf dem Schwalbenstück angezeichnet werden, die Schräge jedoch entsteht durch den Startpunkt und das Ende, welche jeweils an der Kante des Holzes liegen (in unserem Beispiel die 0 und die 13)
    • Diese entstehende Teilung wird auf die Hilfslinien 1 und 2 übertragen.
    • Die Zinken werden wie folgt angezeichnet (siehe Bild oben):

    Teilungspunkt 1 auf Hilfslinie 1  - mit Teilungspunkt 2 auf Hilfslinie 2, dann 
    Teilungspunkt 2 auf Hilfslinie 2  - mit Teilungspunkt 3 auf Hilfslinie 1
    Teilungspunkt 4 auf Hilfslinie 1  - mit Teilungspunkt 5 auf Hilfslinie 2, dann 
    Teilungspunkt 5 auf Hilfslinie 2  - mit Teilungspunkt 6 auf Hilfslinie 1, usw.

    • So entstehen die Zinkenformen auf dem Kopfholz des Zinkenstücks mit der Schmiege 1:6
    • Weitere Zinkenstücke (z.B. bei einem Kasten) brauchen nur noch aufrecht vor das Schwalbenstück in die Zange eingespannt werden und die Striche vom Schwalbenstück auf das Kopfholz des Zinkenstücks übertragen werden - dabei immer darauf achten, dass die Innenflächen des Zinkenstücks angelegt werden müssen.

     

  • Zinkenteilung auf  Flächen überwinkeln
  • Abfallendes Holz kennzeichnen. Mit kleinen Kreuzchen sollte man sich das abfallende Holz kennzeichnen, damit man beim Schlitzen (Einschneiden) den Sägeschnitt nicht auf der verkehrten Seiten des Risses ansetzt.
  • Einschneiden der Zinken auf halben Riss im abfallenden Holz

  • Freistemmen der Zinken. Es wird auf der Innenseite begonnen. Gestemmt wird bis zur Mitte der Holzstärke, wobei das abfallende Holz am Ende möglichst stehen gelassen wird, damit beim Stemmen der Gegenseite das abfallende Holz nicht federt. Beim Stemmen sollte man sich ein gerades Holz an den Streichmaßriss spannen, damit der Zinkengrund bei allen Ausarbeitungen auf gleicher Linie liegt.

  • Anreißen der Schwalben mit Hilfe des Zinkenstücks. Dabei wird das Zinkenstück so auf das Schwalbenstück gehalten, wie es später zusammengesteckt werden soll. Der Streichmaßriss gibt hierbei die Richtung an. Das Anreißen muss entweder mit einer Reißnadel oder einem spitzen Bleistift genau entlang der ausgearbeiteten Zinken erfolgen.

  • Schwalbenrisse auf Hirnholz überwinkeln. Auf die Außenseite des Schwalbenstücks können keine Risse angezeichnet werden.
  • Abfallendes Holz kennzeichnen
  • Einschneiden der Schwalben
  • Freistemmen der Schwalben (entsprechend  der Arbeitstechniken bei "Freistemmen der Zinken")
  • Absetzen der Randzinken

  • Verbindung einpassen
  • Innenflächen putzen
  • Verleimen, dabei auf Winkligkeit kontrollieren (Beim Korpus oder Schubkasten das Stichmaß = Diagonale kontrollieren)
  • Putzen (schleifen) und Kanten brechen

 

 


 

Quellenverzeichnis (Grafiken):

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Berlin:
Holzverbindungen und Verbindungsmittel
Beuth Verlag GmbH
Berlin 1986, 3. unveränderte Auflage
ISBN 3-410-38386-7 (Bestellung)

weitere Grafiken von Volker Scharfe