Erle

Kurzzeichen gem. DIN 4076: Erle (ER)
Europäschisches Kurzzeichen gem. DIN EN 13556: Grauerle (ALIN, EU), Schwarzerle (ALGL, EU)

 

Erle (Alnus) Common Alder, Aune Commun
Sommergrüne Bäume und Büsche. Vorkommen in Europa, hauptsächlich Skandinavien und in osteuropäische Randgebieten, Sibirien. Roterle im Nordwesten der USA und in Kanada.

Bilder: Baum und Rinde

Erle Erle

Familie: Betulaceae

Alnus glutinosa (=Schwarzerle oder klebrige Erle oder Roterle)
Alnus incana (=Weißerle oder Nordische Erle oder Grauerle)
Alnus rubra (=Amerikanische Roterle oder Red Alder)
Alnus viridis (=Grünerle)

Schwarzerle - Roterle (Alnus glutinosa)
Heimisch in Europa, außer in der nördlichen borealen Zone und in Trockengebieten, Westasien und Nordafrika in Auen und an Flussufern. Höhe 20 m bis 33 m, Durchmesser bis 50 cm. Die männlichen Kätzchen streuen ihre Pollen Anfang März, wenn sie 5-10 cm lang sind. Die weiblichen Kätzchenblüten, am Zweig unterhalb der männlichen Kätzchen, sind 0,5 cm lang. Früchte 1-2 cm, werden zum Winter holzig. Blätter rundlich mit eingekerbter Spitze und 7 Seitennerven, Nervenachseln unterseits behaart. Die Rinde grünlich-braun bis dunkelbraun mit rötlichen Lenticellen, im Alter schwarzbraune, rissige Tafelborke.

Grauerle - Europäische Weißerle (Alnusincana)
Verbreitung ähnlich wie bei der Schwarzerle, aber nicht so weit nördlich. Raschwachsender, kurzlebiger Baum, Höhen bis 20-25 m, Durchmesser bis 40 cm, an der Nordgrenze strauchartig. Die männlichen, 5-10 cm langen Kätzchen öffnen sich Ende Februar bis März. Weibliche Kätzchen entwickeln sich zu 1 cm langen Früchten, die verholzen. Die Blätter sind charakteristisch grau-grün, spitz, mit 9-12 behaarten Seitennerven. Rinde silbergrau bis dunkelgrau mit Lenticellen, im Alter mit langen Rissen, kaum Borke bildend. Bildet reichlich Wurzelbrut.

Italienische Erle (Alnus cordata)
Heimisch in den Bergen Kalabriens und Korsikas, angepflanzt in Parks und Gärten. Höhe bis 15 m.

Oregon-Erle - Amerikanische Roterle (Alnus rubra)
Heimisch im westlichen Nordamerika von Alaska bis Kalifornien und Idaho, im pazifischen Küstengebiet meist recht selten. Das Holz kann wie das der europäischen Roterle verwendet werden. Baumhöhe bis 12-20m.


Baumbeschreibung:

Schlanke, meist große Bäume in Durchmessern von 30 bis 80 cm, bis auf etwa 12 m astfreie Schaftlängen.

Holzbeschreibung:

Erle

Erle (altes Bild)

Farbe: Ein Splintholzbaum, d. h. Kern und Splint ohne Unterschied, einheitlich blassrötlichgelb bis orangefarben, besonders die saftfrischen Hirnflächen sind nach dem Fällen durch Luftzutritt auffällig orangerot. Mit zunehmender Austrocknung bräunlich nachdunkelnd. Schwach mattglänzend. Die Weißerle ist etwas heller.

Struktur: Die sehr feinen, zerstreut angeordneten Gefäße sind auch auf dem Längsschnitt als Porenrillen kaum sichtbar, die Oberfläche zeigt sich feinporig. Jahrringgrenzen durch höhere Faserdichte und dichteres, porenärmeres Spätholz schwach erkennbar. Die sehr feinen, dichtstehenden Holzstrahlen können sich radial als "falsche Holzstrahlen" bündeln, indem sie als unregelmäßige Spiegel auftreten. Häufiger sind große oder kleine dunkelbraune Markflecken vorhanden. Feinporiges, gradfaseriges Holz. Weißerle ist noch etwas feiner als Schwarzerle.

Eigenschaften:

Leichtes, weiches, jedoch festes, mäßig schwindendes Holz mit gutem Stehvermögen. Weißerle ist etwas weniger fest als Schwarzerle, wenig elastisch und tragfähig, aber leicht zu biegen.

Fehler: Krümmungen, spannrückig, fakultativer dunkler Kern; trockenes Holz ist sehr wurmgefährdet (besonders Anobien).

Trocknung: Erlen verstocken leicht. Ihre Schnittware ist deshalb trocken und vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt im Schuppen zu lagern.

Verarbeitung: Vornehmlich Sägen, gelegentlich auch Schälen. Dieses zähe Holz lässt sich gut und sauber zu glatten Oberflächen bearbeiten sowie besonders gut drechseln und schnitzen. Freiluft- und Kammertrocknung verlaufen schnell ohne besondere Verformungen. Bei der Oberflächenbehandlung ist der Einsatz aller üblichen Mittel möglich; besonders ist das Holz gut zu beizen und zu polieren.

Beständigkeit:

Nicht witterungsfest, jedoch unter Wasser sehr dauerhaft. Hoher Gerbstoffgehalt. Sehr anfällig für Pilz und Insektenbefall.

Verwendung:

Keine wesentlichen Verwendungsunterschiede zwischen Schwarzerle und Weißerle, aber Schwarzerlenholz wird wegen seiner qualitativen überlegenheit mehr geschätzt. Als Vollholz zu Imitationszwecken für Edelhölzer im Möbel- und Stuhlbau, für Musikinstrumente, für Bilderleisten, Bleistifte, Holzschuhe, Schnitzereiarbeiten und als Modellholz. Als Schälfurnier für Sperrholz und für Zigarrenkisten; früher sehr geschätzt für Nähmaschinentische, Platzpatronenverschlüsse und Räucherspäne. Gefärbt als Ersatz für Nussbaumholz. Jüngst findet die Amerikanische Roterle (= Alnus rubra) als Kirschaustausch mehr Verwendung.


   Daten:

- Erle (Alnus glutinosa)

- Kurzzeichen nach DIN 4070: ER 
- Rohdichte bei einer Holzfeuchte von u = 12 bis 15% (r12 - r15)

 

- Mittelwerte :

0,55 g/cm3

 

- Grenzwerte :

0,49 - 0,64 g/cm3
- Raumdichte (R) Mittelwerte: 447 kg/m3
- Differenzielles Schwind-/Quellmaß für Bereich u = ~5% bis u = ~20%:

 

- Schwindmaß V radial: 0,15 - 0,17 %  je 1% Holzfeuchte-Änderung 

 

- Schwindmaß V tangential: 0,24 - 0,30 %  je 1% Holzfeuchte-Änderung
- Wärmeleitfähigkeit nach DIN 4108: 0,15 - 0,17 W/(m·K)
- Mittlere elastische Eigenschaftswerte:

 

- Elastizitätsmoduln E: EII = 7700 - 11760 N/mm2

 

EIr = k.A. N/mm2

 

EIt = k.A. N/mm2

 

- Schubmoduln G: long/radial = k.A. N/mm2

 

long /tangential = k.A. N/mm2
- Mittlere Festigkeitswerte ("Bruchfestigkeiten"):
- Zugfestigkeit ZBII | ZBI : 94 N/mm2 | 2,0 - 7,3 N/mm2
- Druckfestigkeit: 47 - 55 N/mm2
- Quetschgrenze: 6,5 N/mm2
- Biegefestigkeit: 85 - 97 N/mm2
- Scherfestigkeit: 4,5 N/mm2
- Torsionsfestigkeit: k.A. N/mm2
- Bruchschlagarbeit: 50 - 54 kJ/m2
- Biegeschwingungsfestigkeit: k.A. N/mm2
- Härte nach Brinell bei 12% HF: HBII  = 33 - 38 N/mm2
HB  = 16 - 17 N/mm2
- Härte nach Janka bei 12% HF: HJII  = 44 N/mm2
HJ  = k.A. N/mm2
Werte beziehen sich auf eine Holzfeuchte von u = ~12%.

 

 


 

Quellenverzeichnis (Grafiken):

Dahms, Klaus Günther:
Das kleine Holzlexikon, (Roto-Fachbibliothek Band 1)
Wegra Verlag GmbH
Tamm 1996, 7. Auflage

Humphries / Press / Sutton:
Der Kosmos- Baumführer, Europäische Laub- und Nadelbäume
Kosmos Verlag GmbH
Stuttgart 1990, 4. Auflage    [Bei Amazon.de bestellen]

Nourney, Vollmer GmbH & Co.
Tabellenbuch Holztechnik
Verlag Europa-Lehrmittel
Haan-Gruiten 1998, 1. Auflage    [Bei Amazon.de bestellen]

Jürgen Sell
Eigenschaften und Kenngrößen von Holzarten
Baufachverlag Lignum
Schweizerische Arbeitsgemeinschaft 1997, 4. Auflage    [Bei Amazon.de bestellen]