Workshop - Sicheres Einsetzfräsen

Sicheres Einsetzfräsen

Jeder dritte schwere Unfall, der zu einer Rente führt, weil seine Folgen nicht mehr behebbar sind, passiert beim Einsetzfräsen beziehungsweise meist schon beim Probefräsen, und zwar durch die Rückschläge.
Dabei läßt sich diese Gefahr auf die einfachste Weise ausschalten.

Jeder Fachmann weiß, daß beim Einsetzfräsen in hohem Maße Rückschlaggefahr besteht. Die Ursachen für die schweren Unfälle der vergangenen Jahre an den Tischfräsmaschinen waren immer die gleichen: x-maliges Probefräsen zum Ermitteln von Ein- und Aussetzpunkt, Einsetzen ohne Rückschlagsicherung oder nur mit einem einfachen Klotz, der mit einer Zwinge am Anschlag befestigt war. Meist wurde das Werkstück auch noch von links eingeschwenkt, was zu einem Gleichlauffräsen mit hohen Rückschlagkräften führt. In einer Zeit, in der genaues und schnelles Arbeiten einen sehr hohen Stellenwert hat, und das Risiko eines menschlich wie wirtschaftlich folgenschweren Unfalles aus Leichtsinn oder einer pi-mal-Daumen-Mentalität nicht mehr in Kauf genommen werden muß, haben solche Arbeitsweisen keinen Platz mehr. Der Profi weiß, wie solche Unfälle zu vermeiden sind und welche Hilfsmittel zur Verfügung stehen.

Vor allem ist eins zu beherzigen: Das Vermeiden von unnötigem Probefräsen. Das ist auf relativ einfache Weise zu bewerkstelligen:

  • Zuerst werden Tischverlängerungen mit Queranschlägen angebracht.
    Bei kurzen Werkstücken wird eine Spannlade verwendet (Bild1).
  • Das Einstellen der Maschine geschieht grundsätzlich im Stillstand.
    Fräshöhe und Frästiefe werden mit einer Meßuhr eingestellt (Bild 2 und 3).

Bild 1 Bild 1

Bild 2 Bild 2

Bild 3 Bild3

Um Ein- und Aussetzpunkt zu ermitteln, werden zwei gleich große Einstellhölzer verwendet. Das eine wird am Anschlag so weit von links an das Fräswerkzeug herangeschoben, bis es den Schneidenflugkreis des Werkzeuges berührt. Die entsprechende Kante dieses Einstellklotzes wird jetzt mit dem Anriß für den Einsetzpunkt auf dem Werkstück in Übereinstimmung gebracht. In dieser Lage des Werkstückes wird jetzt als Rückschlagsicherung der rechte Queranschlag gegen das Ende des Werkstückes oder der Spannlade geschoben und festgespannt. Mit dem Aussetzpunkt wird ebenso verfahren (Bild 4,5).

Bild 4 Bild 4

Bild 5 Bild 5

Anschließend wird das Fräswerkzeug vor dem Anschlag durch eine Bogenfeder, einen Druckschuh, eine Schutz- und Druckvorrichtung oder eine andere Schutzeinrichtung verdeckt. Das Werkstück bzw. die Spannlade wird dann an der Rückschlagsicherung angelegt, eingeschwenkt und vorgeschoben. Dabei muß der Werkstückanfang bzw. die linke Kante der Spannlade immer am Anschlag anliegen (bei Bearbeitung im Rechtslauf) (Bild 6).

Bild 6 Bild 6

Falls im Betrieb schon eine Rückschlagsicherung gekauft wurde, die aber bisher unbeachtet herumgelegen ist, packen Sie die Sache endlich an. Sie werden sehen, wie schnell und sicher sich der Arbeitsgang damit durchführen läßt. Selbermachen lohnt in diesem Fall wirklich nicht. Im Handel stehen ausgereifte Arbeitsvorrichtungen zur Verfügung, und das zu einem Preis, zu dem wohl kaum jemand eine vergleichbare Ausführung herstellen könnte.

Übrigens: Wie wir erfahren haben, geben mittlerweile viele Prüfkommissionen bei diesem Arbeitsgang nur noch dann die volle Punktezahl, wenn auf die beschriebene Weise gearbeitet wird. Probieren ist "out". Null Punkte.

© Rainer Klein, Holz-Berufsgenossenschaft

 


 

Quellenverzeichnis (Grafiken):

Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM)
Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM), 55124 Mainz